Italienische Traditionen zu Weihnachten

Für Italienerinnen und Italiener zählt Weihnachten zu den schönsten und wichtigsten Festen des Jahres, vereint es doch einige der wichtigsten Werte und Traditionen wie Glaube, Familie und gemeinsames Essen. Auch wenn es von Nord bis Süd einige Unterschiede gibt, gilt der Weihnachtsbaum, der traditionell schon am 8. Dezember aufgestellt wird, als das wohl traditionellste Weihnachtssymbol, das auf Königin Margherita von Savoyen zurückgeht, die gegen Ende des 19. Jhdt. einen Weihnachtsbaum im Palazzo del Quirinale in Rom schmückte. Rasch verbreitete sich dieser Trend über die gesamte Halbinsel und bis heute verweilt der Weihnachtsbaum bis zum 6. Januar in den Wohnzimmern der Italiener:innen.

 

Ein weiterer unverzichtbarer Bestandteil des italienischen Weihnachtsfestes ist die Weihnachtskrippe. Traditionell wird auch diese bereits am 8. Dezember zusammen mit dem Baum aufgestellt, jedoch darf die Figur des Christkindes nicht vor dem Abend des 24. Dezembers in die Krippe gelegt werden. Die erste Krippe der Geschichte mit der Darstellung der Geburtsszene Jesu in seiner Wiege in Betlehem soll in der Nacht des Heiligen Abends im Jahr 1223 vom Heiligen Franz von Assisi in Greccio (Umbrien) aufgestellt worden sein. Krippen wurden jedoch bereits 1025 in Neapel gefunden. Regionale Krippentraditionen, wie die der Bologneser Krippe, der Genueser Krippe und der Neapolitanischen Krippe verbreiteten sich rasch und das Kunsthandwerk der italienischen Krippen- und Krippenfigurenherstellung wurde zum Trend. Die schönsten Krippen findet man nicht nur auf öffentlichen Plätzen wie dem Petersplatz, in Kirchen oder in den Geschäften sondern auch bei den Italiener:innen zuhause. In der berühmten Straße Via San Gregorio Armeno in Neapel kann man das ganze Jahr über wunderbare handgefertigte Krippen und exotische Krippenfiguren in und vor den Kunsthandwerksläden bewundern und erwerben. Aber auch die handgeschnitzten Krippen der norditalienischen Regionen Aostatal, Südtirol, Trentino oder Friaul-Julisch Venetien sind wahre Meisterwerke. Die diesjährige Krippe auf dem Petersplatz stammt aus dem kleinen Krippen-Dorf Sutrio in Friaul-Julisch Venetien und ist bis 6. Januar 2023 zu bewundern.

 

Das traditionelle Weihnachtsessen findet am 25. Dezember zu Mittag statt, wo sich die ganze Familie trifft und ein wahres mehrgängiges Festessen zelebriert. Wer jedoch mehr Wert auf die Vigilia legt, trifft sich schon am Heiligen Abend zum gemeinsamen Abendessen, das der Tradition nach kein Fleisch enthalten sollte, da die katholische Tradition den Verzehr von Fleisch am Abend vor einem religiösen Feiertag verbietet. Danach geht man in die Kirche zur Feier der Heiligen Messe (Eucharistiefeier).

Für das Weihnachtsmittagessen am 25. Dezember muss das Menü traditionell sehr reichhaltig sein: eine gute Vorspeise, ein leckerer erster Gang aus Nudeln und dann Fleisch als zweiten Gang. Von Region zu Region gibt es viele typische Weihnachtsgerichte. Als Vorspeise werden traditionell Aufschnittplatten mit Salamispezialitäten, Käse und Oliven serviert. In den meisten nördlichen Regionen besteht der erste Gang aus gefüllten Nudeln wie Ravioli, Tortellini oder Agnolotti (typisch im Piemont), die gerne als Suppe serviert werden. In der Emilia Romagna isst man taditionell zu Weihnachten Passatelli (Nudeln aus Parmesan) in Suppe während Lasagne oder auch Cannelloni typisch für Süditalien sind. Als Hauptgang wird gerne gebratenes Perlhuhn oder gefüllter Kapaun (kastrierter Hahn), Carbonade (in Rotwein gekochtes Rindfleisch typisch im Aostatal) oder Kalbsbraten oder serviert. Panettone, Torrone und Pandoro werden im ganzen Land gerne an Weihnachten zum Dessert genossen. Natürlich gibt es aber auch hier in jeder Region weitere typische Weihnachtsdesserts und Weihnachtskekse.

 

Last but not least dürfen bei jeder Weihnachtsfeier die Weihnachtsgeschenke nicht fehlen, die in Italien heutzutage der Weihnachtsmann „Babbo Natale“ bringt und zwar in der Nacht des Heiligen Abends, sodass diese am Morgen des 25. Dezembers unter dem Weihnachtsbaum vorgefunden werden. Der Mythos des Weihnachtsmanns hat seinen Ursprung in der Figur des Heiligen Nikolaus.

 

Darüber hinaus bringt die Befana in der Nacht von 5. auf 6. Jänner braven Kindern Süßigkeiten, schlimmen Kindern Kohle, die sie in den am Vorabend vorbereiteten Socken vorfinden. Das Dreikönigsfest wird in Italien "Festa dell'Epifania" oder "Festa della Befana" genannt. Es ist der letzte Tag der Weihnachtsfeierlichkeiten in Italien und der 12. Weihnachtstag, als die Heiligen Drei Könige die Krippe erreichten und dem Jesuskind Geschenke brachten. Der Legende nach luden die Heiligen drei Könige am Weg nach Bethlehem eine alte Frau ein mit ihr zu kommen. Diese verweigerte jedoch mit der Erklärung, dass sie zu viel zu tun hätte. Nachdem die drei Könige gegangen waren, bereute sie nicht mitgekommen zu sein und machte sich auf deren Suche, allerdings ohne Erfolg. Daraufhin klopfte sie an jeder Tür und hinterließ jedem Kind eine Gabe, in der Hoffnung, irgendwann das Jesuskind zu finden. Die Befana ist heutzutage eine Hexe, deren Bezeichnung sich von „Epifania“ ableitet.