Massiv, märchenhaft, mittelalterlich: Burgen und Schlösser im Aostatal

Castello di Aymavilles (foto Diego Cesare) © Vallée d'Aoste Tourisme

 

In Italien trägt das Aostatal den Beinamen „Tal der hundert Schlösser“. Die ersten Festungen stammen bereits aus dem 11. Jahrhundert, bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden jedoch immer wieder neue gebaut oder bestehende verändert. Bis heute kümmern sich Experten liebevoll um die typgerechte Instandhaltung: am 14. Mai 2022 öffnet das Castello d’Aymavilles nach über 20-jähriger Renovierungszeit wieder seine Türen. Die beeindruckenden Zeitzeugen dienen bis heute als Museen und Eventbühnen.

 

 

 

 Vom Mittelalter zum Barock auf einem Flur: Das Castello di Aymavilles öffnet wieder seine Türen

 

Die Geschichte des Schlosses von Aymavilles, das in der gleichnamigen Gemeinde liegt, ist eng mit der der Familie Challant verbunden. Der Adelsfamilie gehörte das Schloss über 600 Jahre lang, bevor es 1970 in den Besitz der Autonomen Region Aostatal überging. Und das Bauwerk veränderte sich mit den Generationen: zum ersten Mal erwähnt im Jahr 1207, wies es zunächst den typischen Baustil des Mittelalters auf – ein großer Turm mit Holzdach. Im 15. Jahrhundert fügten die Challants dann vier Ecktürme, ein Steindach und eine doppelte Mauer hinzu, während des 17. Jahrhunderts konzentrierte man sich auf den Innenausbau im barocken Stil. Heute stellt das Castello eine ganz besondere Art der Zusammenfassung architektonischer Stile der letzten Jahrhunderte dar – sogar der hölzerne Dachstuhl aus dem 13. Jahrhundert ist noch vorhanden.

 

Dementsprechend vorsichtig wurde 2000 mit der Renovierung der Innen- und Außenanlagen begonnen. Ein Team von Experten für verschiedene Epochen studierte jahrelang Quellmaterial und führte archäologische Ausgrabungen durch, die ab Mai 2022 auf dem neuen Museumsrundgang endlich der Öffentlichkeit präsentiert werden können.

 

 

 

Die Avengers zu Gast: Die Festung von Bard

 

Erbaut zu Zeiten von Theodorichs des Großen im 6. Jahrhundert, liegt die Festung von Bard in dem gleichnamigen Dorf auf einem Felshügel oberhalb des Flusses Dora Baltea, im Südosten des Aostatals. Die Verteidigungsstrategien der damaligen ostgotischen Garnison waren so erfolgreich, dass das Dorf Bard im Jahr 1034 zur inexpugnabile oppidum, zu Deutsch: „nicht einnehmbare Stadt“, ernannt wurde. Napoleon Bonaparte gelang es aber dann doch – innerhalb von zwei Wochen. Als Rache für die hohen Verluste seiner Armee ordnete er die Sprengung der Trutzburg im Jahre 1800 an. Zwischen 1830 und 1838 wurde sie dann durch Mitglieder des Hauses Savoyen wieder auf- und ausgebaut. Seit dem Jahr 2006 ist die Forte di Bard ganzjährig für Besucher geöffnet. Sie beherbergt heute fünf permanente Museen und saisonale Ausstellungen – unter anderem über die historische Besiedlungsgeschichte des Aostatals sowie ein Alpenmuseum speziell für Kinder. Im Sommer finden Musik- und Theateraufführungen im Innenhof statt. Sogar hollywoodreif ist Bard: Für den 2015 erschienenen Kinofilm Avengers: Age of Ultron wurden dort gleich mehrere Schlüsselszenen gedreht.

 

 

Granatapfelbrunnen, Graffiti und seltene Fresken: Das Schloss von Issogne

 

Das im 12. Jahrhundert erbaute Schloss im Süden am Ufer der Dora Baltea begeistert Besucher mit einem geschmückten Innenhof, dem berühmten schmiedeeisernen Granatapfelbrunnen und seiner bunt bemalten Vorhalle. Sie stellt ein seltenes Beispiel alpiner Malerei mit einem Freskenzyklus von Alltagsszenen mittelalterlichen Lebens dar. Im Sommer lädt zudem der inspirierende Garten im italienischen Stil zum Flanieren und Verweilen ein. Das ganzjährig für Interessierte geöffnete Schloss wurde zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert von Georgio di Challant für seine Cousine Margherita de La Chambre restauriert und aus einer einfachen Festung zu einem prachtvollen Wohnsitz umgebaut. Ein besonderes Herausstellungsmerkmal sind die mehr als 600 “Graffiti” in den Gängen und im Innenhof. Diese wurden über Jahrhunderte hinweg von Besuchern, Burgbewohnern und Dienerschaft hinterlassen. Die Liebesgeständnisse, launischen Kommentare und Lebensansichten sind auf Lateinisch, Italienisch, Spanisch, Französisch und Deutsch verfasst und zeugen von der kulturgeschichtlich außerordentlich interessanten Entwicklung des Aostatals.

 

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