"Die Gardenroute"

Seit Jahrhunderten gilt Italien dank der raffinierten Schönheit seiner von Burgen, Schlössern und Anwesen gekrönten Landschaftszüge als beliebtes Reiseziel - ein Resultat aus dem harmonischen Einklang zwischen Mensch und Natur. Sinnbild für dieses ausgewogene Gleichgewicht sind die Gärten, die das untrennbare Verhältnis zwischen Architektur und Natur vor Augen führen und als eine besondere Auszeichnung unserer Zivilisation, gewissermaßen als Edelsteine des Weltkulturerbes gelten.

 

Die Beispiele reichen von der Renaissance bis zur Moderne – von historischen Parks mit strengem geometrischen Plan, botanischen Gärten mit üppigen Pflanzungen und Blütenpracht bis hin zum versteckten Gartenkleinod. Jeder Ort für sich einzigartig und Ausdruck eines eigenen Naturrhythmus.

 

Die grünen Oasen in ihrer Vielfalt vorzustellen und näherzubringen hat sich die Vereinigung der Parks und Gärten Italiens (APGI) zum Ziel gemacht. Ihr vom italienischen Kultur- und Tourismusministeriums unterstütztes Portal gardenrouteitalia.it präsentiert mehr als zweihundert Gärten. Sie sind in 30 Reiserouten gruppiert und lassen mit Beschreibungen und Bildern in die himmlischen Paradiese auf Erden eintauchen.

 

Zwei Drittel davon sind für Besucher geöffnet, für die restlichen Gärten ist eine Terminvereinbarung erforderlich, was natürlich eine Entdeckung besonders exklusiv und spannend macht. Wer blickt nicht gerne hinter die Kulissen einer Villa?

 

Unter ihnen bekannte Gärten wie jener der Villa d‘Este in Tivoli unweit von Rom. Kardinal Ippolito d’Este ließ im Jahr 1550 um seine Villa eine weitläufige Gartenanlage mit den berühmten Wasserspielen - mehr als 500 Brunnen! - errichten. In unmittelbarer Nähe lässt es sich auch auf den Spuren der antiken Villa Adriana, der Hadriansvilla, wandern – die ein besonderes Setting genießt mit ihrer großzügigen Anlage eingebettet in die hügelige Landschaft des römischen Umlandes. Auch Villa Gregoriana, auf deren Gelände sich der 120 Meter hohen Tivoli-Wasserfall befindet, ist nicht zu verachten. Einzelne Ruinenelemente einer römischen Villa wurden hier in eine Gartenanlage mit Treppchen, Wegen und Durchgängen integriert. Ein Ideal der Romantik.

 

Auch Ligurien ist für seine Parks und Gärten bekannt.

Von den Botanischen Gärten der Villa Hanbury in Ventimiglia bis zu den Parkanlagen von Villa Marigola in Lerici, vorbei an Villa Faraggiana in Albisola, Villa Durazzo di Santa Margherita, Villa Serra in Comago im Tal Val Polcevera, den Parks von Nervi östlich von Genua, Villa Durazzo Pallavicini mit ihrem malerischen Spazierweg und dem zauberhaften Cervara auf dem Kap von Portofino. Das sind nur ein paar von all den Villen und Gärten, an denen sich die Geschichte Liguriens ablesen lässt: vom einstigen Prunk der Republik Genua bis zur Riviera des 19./20. Jahrhunderts, einer Zeit, in der viele Nordeuropäer auf der Suche nach einem milderen Klima und ruhigeren Leben in diese Gegend kamen.

 

Schon Goethe ließ sich von den herrlichen Villen am Meer, historischen Anwesen unvergleichlicher Schönheit und dem natürlichen Schatz aus Gärten, Parks, Gewächshäusern und Rosengärten verzaubern. Auch davon erzählt das Portal der Gardenroute und stellt die besuchten Gärten des berühmten deutschen Dichters in den Regionen Venetien, Latium, Kampanien und Sizilien vor. Sechsundreißigjährig gelangt Goethe 1786 nach Italien und verweilt für beinahe zwei Jahre. In seinem Italienreisebuch beschreibt er sein Interesse für die antiken Monumente und Kunstwerke, gibt aber auch seine Leidenschaft für die Botanik in ihrer Pflanzen- und Blütenvielfalt sowie für die italienischen Gärten preis.

 

Er bewundert die Landschaft des Etschtals, die Uferabschnitte des Gardasees, besucht den Giusti-Garten in Verona, beschreibt die Pflanzenformen im Botanischen Garten von Padova, verfällt Rom in seiner magischen Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart, Kunst und Natur und malt ein poetisches Bild der Licht- und Farbenvielfalt Neapels und Siziliens.

 

Schon bevor er sich auf seine Reise in den Süden begibt beschreibt er in der ersten Strophe seines bekannten Gedichtes „Mignon“ ein idealisiertes Bild der Schönheit Italiens:

Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,

Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn,

Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,

Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht,

 

Jede Region Italiens hat wahre Juwelen von Parks und Gärten zu bieten, manche mehr von der Menschenhand geformt und andere mehr der Natur und ihren capricci überlassen.

 

Weitere Infos dazu auf www.gardenrouteitalia.it