Die Traditionen des italienischen Karnevals

Eine fruchtig-spritzige Tradition: Orangenschlacht in Ivrea © Konsortium des Carnevale di Ivrea

Schöne Masken, saftige Orangenschlachten und süße Chiacchiere

 

Auch dieses Jahr steht die Faschingszeit unter keinem guten Stern. Gerade aber weil der Karneval für die Vertreibung der bösen Geister und des Winters steht wie auch für das ausgelassene Feiern vor der Fastenzeit, hat er es verdient, nicht vergessen zu werden. Hier einige Karneval-Highlights und – Traditionen im Belpaese:


Masken und prachtvolle Kostüme in Venedig

Der Carnevale di Venezia ist weltweit bekannt und kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, denn der Begriff wurde bereits im 11. Jahrhundert verwendet. Bis heute wird in der Lagunenstadt ausgiebig gefeiert, zehn Tage lang, mit extravaganten Kostümen und edlen Masken. Denn durch die Maskierung, die sich an den Figuren der Commedia dell’arte orientiert, waren alle Menschen gleichgestellt. Doch die Maske hatte einen weiteren Vorteil: Die Narren konnten unerkannt feiern. In jedem der sechs Stadtteile Venedigs tragen die Anwohner prachtvolle Roben und Kopfschmuck, wobei jedes Viertel seine eigene Farbe hat. An Faschingsdienstag wird das schönste Kostüm prämiert. Weitere Highlights sind der Engelsflug, bei dem eine Person vom Campanile aus über den Markusplatz schwebt, sowie der historische Umzug mit Ruderbooten durch die Kanäle der Stadt.

 

Vorsicht im Piemont: Orangen im Anflug

Eine wohl einmalige Tradition hat die Stadt Ivrea im Piemont zu bieten: eine Orangenschlacht. Dabei bewerfen sich die Karnevalisten mit reifen Orangen, um an die Vertreibung des Tyrannen Marchese del Monferrato zu erinnern. Als die Soldaten die Stadt verließen wurden sie von allen Seiten mit essbaren Geschossen beworfen. Heute symbolisieren die Menschen auf den Umzugswagen an Karneval eben diese Soldaten, während die Zuschauer, das Volk, sie gnadenlos mit Orangen unter Beschuss nimmt. Und natürlich wird auch zurückgefeuert. Drei Tage lang dauert die Schlacht zwischen „Soldaten“ und Arancieri. Wer sich vor den fliegenden Zitrusfrüchten schützen will, trägt eine rote Mütze und ist somit aus dem Spiel.

 

Riesige Pappmaché-Figuren in Viareggio

In Viareggio in der Toskana stehen kunstvolle Pappmaché-Figuren im Mittelpunkt des alljährlichen Karnevals. Sie werden auf geschmückten Wagen über die meeresnahe Uferpromenade gefahren und greifen oft aktuelle gesellschaftspolitische Themen auf. Diese Tradition hat bereits 1873 ihren Ursprung, als die Bürger der Stadt entschieden, eine Maskerade zu veranstalten und gegen die hohen Steuern der Obrigkeit zu protestieren. So entstand die Idee, die aktuelle Stimmungslage der Bevölkerung jährlich durch kunstvolle Figuren auszudrücken. Ein Brauch, der bis heute andauert und durch den Besuch der heimischen Pappmaché-Schule perfektioniert wird.

 

Blühende Wagen und rezitierende Dichter auf Sizilien

Beim Carneval di Acireale auf Sizilien flogen einst auch Zitrusfrüchte und faule Eier auf die Karnevalsteilnehmer. Dieser Brauch entstand im Mittelalter, wurde jedoch später per Edikt eingestellt. Heute ziehen fantasievoll geschmückte Motivwagen durch das Zentrum des barocken Städtchens, wobei sie mit Unmengen an Blumen verziert sind. Nicht fehlen dürfen auch die Abbatazzi, sogenannte Volksdichter, die rezitierend durch die Straßen von Acireale ziehen.

 

Chiacchiere – knusprig und süß

Zu den ausgelassenen Feierlichkeiten darf auch etwas Süßes nicht fehlen, wobei die knusprigen Chiacchiere das wohl bekannteste Karnevalsgebäck Italiens sind. In manchen Regionen heißen sie auch Lasagne, weil sie wie frittierte Lasagneblätter aussehen. Mit etwas Puderzucker bestreut schmecken sie am besten.

 

Mehr Inspirationen zum italienischen Karneval unter: https://www.italia.it/en/masks-flavours-and-colours-light-up-carnival-all-over-italy