Mit Linsen und roter Unterwäsche in das neue Jahr starten: Italienische Traditionen an Silvester

Matera, Basilicata by APT Basilicata

Linsen, Tombola und rote Unterwäsche sind die wichtigsten Bestandteile für einen gelungenen, italienischen Jahreswechsel. Denn an Capodanno (Silvester) setzen die Italiener auf traditionelle Bräuche, mit denen sie das Glück für das kommende Jahr heraufbeschwören wollen.  

Linsen für den Wohlstand

Ein absolutes Muss an Silvester ist der Verzehr von Linsen. Dazu gibt es Cotechino (gekochte Schweinswurst) oder Zampone (gefüllten Schweinefuß). Linsen symbolisieren schon durch ihr Aussehen Geld, das sehr fettige Fleisch steht für Üppigkeit und Überfluss. Wer an Silvester reichlich davon isst, darf sich auf einen Geldsegen im neuen Jahr freuen, so zumindest der Glaube. Meist werden die Linsen als Mitternachtssnack serviert.

Traditionell gibt es den Panettone nicht nur an Weihnachten, sondern auch an Silvester, zumindest in Norditalien. Dabei genießt man den Kuchen als Glücksbringer mit etwas Spumante. Sollte dieser etwas überschäumen, dann streicht man sich etwas von dem verschütteten Sekt hinters Ohr – ebenfalls ein Brauch, der Fortuna herbeisehnen soll.  In Süditalien ersetzen Schleckermäuler den Panettone mit Struffoli (in Honig getränkte, frittierte Teigbällchen), Chiacchiere (knuspriges Gebäck) oder Torroni (weißer Nougat). Und noch eine italienische Gepflogenheit: Damit es mit dem Reichtum auch wirklich klappt, verlassen Italiener an Neujahr das Haus nie ohne etwas Kleingeld in der Hosen- oder Jackentasche.

Rote Unterwäsche für die Liebe

Ob Spitzenhöschen oder Baumwollslip, rot sollte die Unterwäsche der Italienerinnen und Italiener an Silvester sein. Denn das Tragen von roten Dessous von Männern und Frauen fördert das Liebesglück im neuen Jahr. Schließlich ist rot die Farbe der Liebe und stand auch schon im Antiken Rom für Gesundheit und Fruchtbarkeit. Wichtig dabei ist: Die Unterwäsche sollte nicht gekauft, sondern geschenkt sein. Und: Sie muss am 1. Januar zusammen mit anderen alten Sachen wieder entsorgt werden.

Apropos entsorgen: In Neapel zerschlägt man altes Geschirr auf dem Bürgersteig, um das Glück herauszufordern. Außerdem gibt es einen weiteren Brauch, in dem es um die Liebe geht. Wenn junge Mädchen herausfinden wollen, ob sie im neuen Jahr heiraten werden, werfen sie ihre Hausschuhe über die Schulter in Richtung Tür. Zeigt die Spitze der Schuhe auf die Tür, steht eine Hochzeit an.



Tombola als Orakel

Zu einem perfekten Silvesterabend dürfen in Italien auch Glücksspiele nicht fehlen. Besonders beliebt ist die Tombola, das dem Bingo ähnelt, jedoch sind die Zahlen bestimmten Symbolen zugeordnet. So steht etwa die Zahl 90 für die Angst, die 47 symbolisiert den sprechenden Toten.

Ihren Ursprung hat die Tombola 1734 in Neapel. Damals haben König Karl von Bourbon und Pater Gregorio Maria Rocco einen Kompromiss geschlossen. Um eine Alternative zum verbotenen Lotteriespiel zu schaffen, wurde das Glücksspiel für zu Hause eingeführt. Mittlerweile hat es ganz Italien erobert und ist an den Feiertagen besonders angesagt.